Junge Menschen übernehmen im Sportverein eher Verantwortung, wenn sie nicht nur als Helferinnen und Helfer eingeplant werden, sondern echte Gestaltungsmöglichkeiten erhalten. Wer eine Veranstaltung mitentwickelt, ein Juniorteam aufbaut oder Ideen aus der eigenen Trainingsgruppe einbringt, erlebt: Die eigene Meinung zählt und das eigene Handeln kann etwas verändern.
Für Vorstände, Jugendleitungen sowie Trainerinnen und Trainer bedeutet das einen Perspektivwechsel. Verantwortung wird nicht einfach weitergereicht. Sie wird altersgerecht vorbereitet, klar begrenzt, begleitet und sicher gestaltet. Dabei muss der Verein seine Satzung, interne Zuständigkeiten, Aufsichtspflichten, Versicherungsfragen und mögliche Vorgaben des zuständigen Landes- oder Fachverbands berücksichtigen.
Die Deutsche Sportjugend (dsj) versteht junges Engagement als Beteiligung mit Mitgestaltung, Mitsprache und Mitbestimmung. Junge Menschen sollen in demokratischen und selbstorganisierten Strukturen Verantwortung übernehmen und den Sport aktiv mitgestalten. Für Sportvereine ist das eine gute Leitlinie: Aus Teilnehmenden können Schritt für Schritt Mitwirkende, Projektverantwortliche und später vielleicht Übungsleitende oder Vorstandsmitglieder werden.
Warum junge Engagierte für den Verein wichtig sind
Freiwilliges Engagement ist nach Darstellung des DOSB ein Fundament der Sportvereine. Die Aufgaben reichen von Übungsleitung und Betreuung über die Organisation von Veranstaltungen bis zu Platz- und Hallenpflege oder Vorstandsarbeit. Nicht jede Rolle passt zu jeder jungen Person. Gerade deshalb lohnt es sich, Aufgaben sinnvoll aufzuteilen und unterschiedliche Einstiege anzubieten.
Engagement kann soziale Kompetenzen, Selbstwirksamkeit, Verantwortungsfähigkeit, Kooperation und Kommunikation fördern. Diese Wirkung entsteht allerdings nicht allein durch die Übernahme einer Aufgabe. Eine Person, die bei einem Turnier nur eingeteilt wird, ohne Informationen oder Einfluss zu erhalten, sammelt andere Erfahrungen als jemand, der einen klaren Teilbereich planen und Ergebnisse vorstellen darf.
Der Verein profitiert ebenfalls. Junge Engagierte kennen häufig die Interessen ihrer Altersgruppe und können Hinweise zu Training, Veranstaltungen oder Kommunikation geben. Ihre Perspektive ersetzt nicht die Verantwortung des Vorstands. Sie hilft aber, Entscheidungen näher an der Lebenswelt junger Mitglieder auszurichten.
Vom Sportangebot zur aktiven Vereinsrolle

Der Übergang vom Mitmachen zum Engagement sollte nicht dem Zufall überlassen bleiben. Ein schrittweises Vorgehen erleichtert den Einstieg und verhindert, dass junge Menschen sofort mit einer zu großen Aufgabe konfrontiert werden.
1. Interesse wahrnehmen
Trainerinnen, Trainer und Jugendleitungen können auf freiwillige Signale achten: Wer hilft beim Aufbau? Wer begrüßt neue Mitglieder? Wer schlägt Veränderungen vor, erklärt Regeln oder übernimmt Absprachen in der Gruppe? Solche Beobachtungen sind keine Verpflichtung, sondern ein Anlass für ein offenes Gespräch.
Eine konkrete Einladung ist meist hilfreicher als eine allgemeine Bitte nach Unterstützung: „Du hast heute die Aufwärmübung erklärt. Möchtest du bei der Planung des nächsten Trainings mitwirken?“ Die Entscheidung bleibt freiwillig. Auch eine Absage muss ohne Druck oder Nachteile möglich sein.
2. Kleine Aufgaben anbieten
Der Einstieg gelingt mit überschaubaren Aufgaben, einem klaren Ziel und einem erkennbaren Ende. Geeignet können zum Beispiel sein:
- eine Mannschaftsbesprechung zu moderieren,
- eine Umfrage unter Jugendlichen vorzubereiten,
- Musik, Material oder Ablauf eines Aktionstags mitzuplanen,
- neue Mitglieder zu begrüßen und den Vereinsbereich zu zeigen,
- Ideen für Beiträge auf Vereinswebsite oder offiziellen Vereinskanälen zu sammeln,
- bei einem Turnier eine klar abgegrenzte Station zu unterstützen.
Jede Aufgabe braucht eine erwachsene Ansprechperson. Vor dem Start sollten Ziel, Zeitrahmen, Entscheidungsspielraum, benötigtes Material, Auslagen und der Weg für Rückfragen geklärt sein. So wird aus einer unverbindlichen Bitte ein nachvollziehbarer Auftrag.
3. Mitbestimmung ermöglichen
Mitbestimmung ist mehr als eine Abstimmung über ein bereits fertiges Konzept. Junge Engagierte sollten möglichst früh Einfluss nehmen können: Welches Thema soll ein Aktionstag haben? Welche Angebote fehlen Jugendlichen im Verein? Welche Regeln möchte ein Juniorteam für seine Zusammenarbeit vereinbaren? Und welche Aufgaben wollen die Beteiligten tatsächlich übernehmen?
Die dsj nennt Freiräume, Persönlichkeitsentwicklung, Selbstorganisation und Freiwilligkeit als wichtige Grundlagen der Engagementförderung. Praktisch bedeutet das: Erwachsene setzen einen verlässlichen und sicheren Rahmen. Junge Menschen gestalten innerhalb dieses Rahmens möglichst eigenständig.
4. Verantwortung behutsam ausbauen
Wer eine kleine Aufgabe übernehmen möchte und damit gute Erfahrungen macht, kann später eine größere Rolle erhalten. Die dsj nennt unter anderem Juniorteams, Juniorbotschafterinnen und Juniorbotschafter sowie Freiwilligendienste im Sport als mögliche Formate. Welches Format passt, hängt von der Person, dem Verein und den vorhandenen Ressourcen ab.
Ein Juniorteam kann etwa ein Jugendturnier oder einen Aktionstag vorbereiten. Eine Juniorbotschafterin oder ein Juniorbotschafter kann ein vereinbartes Thema im Verein sichtbar machen. Bei Freiwilligendiensten gelten eigene organisatorische und rechtliche Rahmenbedingungen; diese muss der Verein mit dem zuständigen Träger klären.
Passende Verantwortungsbereiche nach Alter und Erfahrung
Nicht jede junge Person darf oder sollte jede Vereinsaufgabe übernehmen. Alter, Reife, Qualifikation, Aufsichtspflichten, Versicherungsschutz und vereinsinterne Regelungen müssen immer zusammen betrachtet werden. Statt pauschal „Verantwortung“ zu übertragen, sollte der Verein Aufgaben genau beschreiben.
- Organisation: Materiallisten, Begrüßung, Ablaufpläne oder Umfragen sind mögliche Einstiegsaufgaben. Wichtig sind klare Zuständigkeiten und eine erreichbare erwachsene Ansprechperson.
- Veranstaltungen: Junge Engagierte können bei Stationen, Moderation, Dekoration oder Helferkoordination mitwirken. Einweisung, Notfallorganisation, Aufsicht und Grenzen der Befugnisse bleiben vorab zu klären.
- Kommunikation: Ideen für Beiträge oder die Vorbereitung von Inhalten können passende Aufgaben sein. Der Verein muss dabei Datenschutz, Bildrechte, Freigaben und einen sicheren Umgang mit digitalen Kommunikationswegen beachten.
- Sportpraxis: Das Erklären einzelner Übungen oder Peer-Unterstützung kann unter geeigneter Begleitung möglich sein. Aufgaben, die besondere Qualifikation oder Aufsicht erfordern, dürfen nicht pauschal eigenständig übertragen werden.
- Gremien und Beteiligung: Jugendversammlung, Juniorteam oder beratende Teilnahme können Beteiligung ermöglichen. Satzung, Jugendordnung, Stimmrechte und Wahlregeln bestimmen, was im jeweiligen Verein möglich ist.
Bei Minderjährigen kann es sinnvoll oder erforderlich sein, Eltern oder Erziehungsberechtigte angemessen zu informieren. Das ersetzt jedoch nicht die direkte Beteiligung der jungen Person. Sie muss selbst verstehen, welche Aufgabe sie übernimmt, welche Grenzen gelten und an wen sie sich bei Fragen oder Unsicherheit wenden kann.
Verantwortung sicher übertragen
Safe Sport ist kein nachträglicher Warnhinweis, sondern eine Grundlage für Vertrauen. DOSB und dsj verstehen Safe Sport als fortlaufende Aufgabe der Prävention, Intervention und Aufarbeitung interpersonaler Gewalt. Schutzstrukturen sollen bis in die Sportvereine wirken und insbesondere Kinder und Jugendliche schützen. Einen Überblick bietet der DOSB im Themenbereich Safe Sport.
Bevor junge Menschen Aufgaben übernehmen, sollte der Verein unter anderem diese Fragen beantworten:
- Wer ist für die Begleitung junger Engagierter zuständig?
- Welche Ansprechpersonen und Beschwerdewege gibt es im Verein?
- Wie werden Hinweise und Beschwerden entgegengenommen und an die zuständigen Stellen weitergegeben?
- Was ist bei einem Verdacht oder einer akuten Gefährdung zu beachten?
- Welche Aufgaben erfordern erwachsene Aufsicht oder eine besondere Einweisung?
- Welche Kommunikationswege sind für die Vereinsarbeit vorgesehen?
- Wie erfahren junge Engagierte von Verhaltensregeln, Ansprechpersonen und Beschwerdewegen?
Der Safe-Sport-Handlungsleitfaden der dsj richtet sich an Sportvereine und behandelt Prävention, Intervention und Aufarbeitung. Die dort verfügbaren Materialien und Checklisten können Ausgangspunkt für ein eigenes Schutzkonzept sein. Ein Konzept ist jedoch nur dann wirksam, wenn Zuständigkeiten, Regeln und Wege im Vereinsalltag bekannt sind.
Schutzkonzept, Stufenmodell und Safe Sport Code unterscheiden
Diese Begriffe werden im Vereinsalltag teilweise vermischt, bezeichnen aber nicht dasselbe:
- Ein Schutzkonzept beschreibt vereinseigene Risiken, Präventionsmaßnahmen, Verhaltensregeln, Ansprechpersonen und Beschwerdewege. Kinder und Jugendliche sollten bei der Entwicklung angemessen beteiligt werden.
- Ein Stufenmodell kann ein Rahmen sein, mit dem Schutzmaßnahmen schrittweise aufgebaut und überprüft werden. Welche Modelle oder Anforderungen konkret gelten, kann von der zuständigen Sportorganisation abhängen.
- Der Safe Sport Code ist ein Musterregelwerk für Sportvereine und -verbände. Er ergänzt Schutzkonzepte und soll ermöglichen, interpersonale Gewalt auch unterhalb der strafrechtlichen Schwelle sportrechtlich zu untersuchen und zu sanktionieren.
Der Safe Sport Code ist nicht automatisch geltendes staatliches Recht für jeden Verein. Ob und in welcher Form ein Verein ihn übernimmt, hängt von den Vereins- und Verbandsstrukturen ab. Bei einer Einführung müssen Zuständigkeiten, Meldewege und Verfahren konkret festgelegt werden. Der DOSB erläutert den Safe Sport Code sowie mögliche Organisationsstrukturen wie Ansprechpersonen, Präventionsbeauftragte, Untersuchungsteams oder Ombudspersonen.
Qualifizierung und Begleitung organisieren
Junge Engagierte brauchen nicht vor der ersten kleinen Aufgabe eine vollständige Ausbildung. Sie brauchen aber eine verständliche Einführung, realistische Erwartungen und die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln. Ein Startgespräch sollte mindestens klären:
- Was ist das Ziel der Aufgabe?
- Was darf die junge Person selbst entscheiden?
- Was muss mit der erwachsenen Ansprechperson abgestimmt werden?
- Welche Regeln gelten für Kommunikation, Datenschutz und Safe Sport?
- Welche Materialien, Räume und Auslagen sind eingeplant?
- Wann werden Zwischenstand und Ergebnis gemeinsam besprochen?
Für komplexere Aufgaben können Vereine interne Workshops, Tandems oder passende externe Qualifizierungen nutzen. Eine erfahrene Person begleitet das Projekt, ohne jede Entscheidung an sich zu ziehen. Gute Begleitung heißt: erreichbar sein, nachfragen, Hindernisse beseitigen und konstruktives Feedback geben.
Regelmäßige kurze Gespräche helfen, Überforderung früh zu erkennen. Passt eine Aufgabe nicht, muss ein Ausstieg ohne Gesichtsverlust möglich sein. Freiwilligkeit endet nicht mit der ersten Zusage.
Anerkennung, Kosten und Vereinsfragen
Anerkennung muss nicht teuer sein. Ein persönliches Dankeschön, eine Vorstellung im Vereinsnewsletter, eine Teilnahmebescheinigung, ein gemeinsamer Abschluss oder die Möglichkeit, Ergebnisse in der Mitgliederversammlung zu präsentieren, machen Engagement sichtbar. Gewürdigt werden sollte nicht nur der öffentliche Auftritt, sondern auch zuverlässige Vorbereitungsarbeit.
Entstehen Auslagen, sollten Erstattung und Genehmigung vorher geklärt werden. Der Verein sollte keine privaten Ausgaben stillschweigend voraussetzen. Bei Aufwandsentschädigungen, Vergütungen oder Tätigkeiten im Rahmen eines Freiwilligendienstes sind Satzung, Beschlüsse und die jeweils einschlägigen Vorgaben zu prüfen. Die konkrete Einordnung hängt von Tätigkeit, Vertragsgestaltung und Vereinsstruktur ab. Vorstand und Kassenführung sollten bei Bedarf aktuelle Informationen der zuständigen Stellen sowie fachkundige Beratung einbeziehen.
Auch Satzung und Jugendordnung sind relevant: Gibt es ein Jugendgremium? Welche Beteiligungs- und Wahlrechte bestehen? Wer darf den Verein nach außen vertreten? Welche Ausgaben darf ein Juniorteam veranlassen? Klare Regeln schützen junge Engagierte und den Verein gleichermaßen. Für die Planung von Ausgaben, Einnahmen und Fördermöglichkeiten hilft eine strukturierte Vereinsfinanzierung.
Praktischer Ablauf: In sechs Wochen zum Juniorteam
Woche 1: Bedarf klären
Vorstand und Jugendleitung bestimmen ein konkretes Projekt, etwa einen Aktionstag. Sie klären Ziel, verfügbaren Rahmen, Zuständigkeiten und eine erwachsene Ansprechperson.
Woche 2: Jugendliche einladen
Im Training, in der Jugendversammlung oder über einen geeigneten Vereinskanal wird offen gefragt, wer mitplanen möchte. Die Einladung benennt Zeitaufwand, mögliche Aufgaben und Entscheidungsspielräume. Eine Absage bleibt folgenlos.
Woche 3: Auftrag und Rollen vereinbaren
Das Team verteilt zum Beispiel Rollen für Programm, Material, Kommunikation und Helferkoordination. Eine einfache Aufgabenliste hält Fristen und Zuständigkeiten fest. Sensible oder besonders verantwortliche Aufgaben verbleiben bei den dafür zuständigen Erwachsenen.
Woche 4: Einweisung und Zwischenstand
Das Team bespricht Schutzregeln, Ansprechpersonen, Beschwerdewege, Datenschutz und Grenzen der eigenen Verantwortung. Anschließend wird der Projektstand gemeinsam geprüft.
Woche 5: Umsetzung vorbereiten
Die jungen Engagierten führen ihre vereinbarten Aufgaben möglichst selbstständig aus. Erwachsene greifen dort ein, wo Sicherheit, Recht, Aufsicht oder die vorher festgelegten Grenzen berührt sind.
Woche 6: Auswerten und weiterentwickeln
In einem kurzen Abschlussgespräch wird geklärt: Was hat funktioniert? Wo war die Aufgabe unklar? Was soll beim nächsten Mal anders laufen? Das Team entscheidet anschließend freiwillig, ob und in welcher Form es weitermachen möchte.
Typische Fehler vermeiden
- Alibi-Beteiligung: Jugendliche dürfen nur über Nebensachen entscheiden. Besser sind vorher definierte Bereiche mit echtem Einfluss.
- Zu große Aufgabenpakete: „Organisiert die ganze Veranstaltung“ kann überfordern. Besser sind Teilaufgaben mit Ziel, Frist und klarer Unterstützung.
- Verantwortung ohne Befugnis: Wer für einen Ablauf zuständig sein soll, aber nichts entscheiden darf, gerät unnötig unter Druck. Zuständigkeit und Entscheidungsspielraum müssen zusammenpassen.
- Erwachsene als Schattenleitung: Wenn jede Idee sofort korrigiert wird, entsteht keine Selbstorganisation. Erwachsene sollen Risiken begrenzen und begleiten, nicht den gesamten Prozess übernehmen.
- Safe Sport nur als Dokument: Ein Schutzkonzept hilft wenig, wenn Ansprechpersonen und Beschwerdewege unbekannt sind. Regeln müssen erklärt und regelmäßig überprüft werden.
- Unklare private Kommunikation: Der Verein sollte für die Vereinsarbeit nachvollziehbare Kommunikationswege und klare Regeln festlegen.
- Nur die Lauten beteiligen: Persönliche Ansprache, anonyme Ideenmöglichkeiten und unterschiedliche Aufgaben können auch zurückhaltenden Jugendlichen Zugänge eröffnen.
Checkliste für Vorstände und Jugendleitungen
- Haben junge Menschen echte Mitspracherechte bei Themen, die sie betreffen?
- Sind kleine, klar abgegrenzte Einstiegsaufgaben beschrieben?
- Ist für jede Aufgabe eine erwachsene Ansprechperson benannt?
- Sind Alter, Reife, Qualifikation, Aufsicht und Versicherung berücksichtigt?
- Kennen junge Engagierte ihre Entscheidungsgrenzen sowie Ansprech- und Beschwerdewege?
- Ist das Schutzkonzept im Vereinsalltag bekannt und zugänglich?
- Sind Satzung, Jugendordnung, Auslagen und mögliche Vergütungen geprüft?
- Gibt es Feedback und eine Möglichkeit, Aufgaben ohne Druck zu beenden?
- Wird Engagement sichtbar anerkannt?
- Werden zusätzliche Vorgaben des zuständigen Landes- oder Fachverbands geprüft?
FAQ: Junge Engagierte im Sportverein
Wie sprechen wir Jugendliche an, ohne sie zu überfordern?
Mit einer konkreten, zeitlich begrenzten Aufgabe und einer freiwilligen Einladung. „Möchtest du bei der Planung des Aktionstags helfen?“ ist hilfreicher als die allgemeine Aufforderung, dauerhaft „mehr Verantwortung“ zu übernehmen.
Dürfen junge Engagierte Trainingseinheiten leiten?
Das hängt von Alter, Qualifikation, Vereinsregelungen, Aufsicht und Versicherungsbedingungen ab. Einzelne Übungen oder Aufwärmteile können unter geeigneter Begleitung möglich sein. Eine eigenständige dauerhafte Übungsleitung darf nicht pauschal vorausgesetzt werden.
Ist ein Safe Sport Code für jeden Verein verpflichtend?
Nein. Der Safe Sport Code ist ein Musterregelwerk und nicht automatisch staatliches Recht für jeden Verein. Verbände können eigene Vorgaben oder Einführungsprozesse festlegen. Deshalb sollte der Verein die aktuellen Anforderungen seiner Dach- und Fachverbände prüfen.
Ersetzt der Safe Sport Code ein Schutzkonzept?
Nein. Ein Schutzkonzept umfasst insbesondere Prävention, Risiken, Verhaltensregeln, Ansprechpersonen und Beschwerdewege. Der Safe Sport Code ergänzt Schutzstrukturen um ein Regelwerk für Untersuchungen und mögliche Sanktionen.
Was tun wir bei einem konkreten Verdacht?
Die betroffene Person sollte ernst genommen werden. Vereine sollten keine eigenen Ermittlungen führen, sondern ihre internen und verbandlichen Ansprechstellen sowie gegebenenfalls spezialisierte Fachberatungen einbeziehen. Bei akuter Gefahr sind geeignete Schutz- und Notfallmaßnahmen erforderlich. Allgemeine Informationen ersetzen keine fallbezogene Beratung.
Wie bleiben junge Engagierte langfristig dabei?
Durch echte Einflussmöglichkeiten, passende Aufgaben, verlässliche Begleitung, Qualifizierung und Anerkennung. Aufgaben müssen zudem mit Schule, Ausbildung, Studium und Privatleben vereinbar sein. Eine Kooperation zwischen Sportverein und Schule kann dabei passende Rahmenbedingungen schaffen. Ein zeitlich begrenztes Projekt kann der bessere Einstieg sein als eine sofortige dauerhafte Funktion.
Quellen & weiterführende Informationen
- Deutsche Sportjugend: Junges Engagement – Grundlagen, Formate und Materialien zur kinder- und jugendgerechten Engagementförderung.
- DOSB: Ehrenamt und Engagement – Aufgabenfelder, Anerkennung und Freiwilligenmanagement im Sport.
- DOSB: Safe Sport – Informationen zu Prävention, Intervention und Aufarbeitung interpersonaler Gewalt im Sport.
- dsj: Arbeitshilfen und Materialien zum Kinder- und Jugendschutz – Handlungsleitfaden, Checklisten und weitere Praxishilfen.
- DOSB: Der Safe Sport Code – Informationen zum Musterregelwerk und seiner Einordnung.
Hinweis: Vereins-, steuer-, aufsichts- und versicherungsrechtliche Fragen hängen von der konkreten Tätigkeit sowie den geltenden Vereins- und Verbandsregelungen ab. Dieser Beitrag bietet keine individuelle Rechts- oder Steuerberatung.
