Viele Sportvereine suchen nicht einfach eine Person für eine einzelne Trainingsstunde. Gesucht wird oft jemand, der regelmäßig Zeit einplant, Gruppen anleitet, Verantwortung übernimmt und mit Mitgliedern, Eltern oder dem Vorstand kommuniziert. Ein allgemeiner Aufruf wie „Trainer gesucht“ lässt dabei häufig offen, wie groß die Aufgabe tatsächlich ist, welche Unterstützung vorhanden ist und was von der neuen Person erwartet wird.
Trainergewinnung beginnt deshalb vor der Veröffentlichung einer Anzeige. Der Verein sollte zunächst entscheiden, welche Trainingsgruppe welche Unterstützung benötigt und wie der Einstieg realistisch gestaltet werden kann. Ein klares Aufgabenprofil, persönliche Ansprache, eine begleitete Schnupperphase, geregelte Vertretung, passende Qualifizierung und sichere Standards im Kinder- und Jugendsport machen eine Rolle nachvollziehbarer.
Aus der vagen Suche eine machbare Trainerrolle machen
Bevor Mitglieder angeschrieben oder externe Kanäle genutzt werden, sollte der Verein seinen Bedarf konkret klären. Die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt empfiehlt, Aufgaben, Rahmenbedingungen, Kompetenzen und Unterstützung präzise zu beschreiben. Das schafft eine Grundlage für die Ansprache und verhindert, dass unausgesprochene Erwartungen erst nach dem Einstieg sichtbar werden.
Diese Fragen gehören in die Vorbereitung
- Für welche Sportart und welche Trainingsgruppe wird Unterstützung benötigt?
- Welche Alters- oder Leistungsstufe trainiert die Gruppe?
- Wann und wo findet das Training statt?
- Wird eine alleinverantwortliche Leitung oder zunächst eine Co-Trainerrolle gesucht?
- Wie viele Einheiten pro Woche oder Monat sind vorgesehen?
- Welche Aufgaben gehören dazu: Trainingsplanung, Auf- und Abbau, Wettkampfbetreuung, Elternkommunikation, Materialpflege oder Dokumentation?
- Wer vertritt die Übungsleitung bei Krankheit, Urlaub oder beruflichen Terminen?
- Welche Qualifikation ist erforderlich, welche kann später erworben werden?
- Wer arbeitet die neue Person ein und bleibt ansprechbar?
- Welche Aufwandsentschädigung, Kostenübernahme oder Anerkennung ist vorgesehen?
Aus diesen Antworten entsteht ein kompaktes Aufgabenprofil. Eine konkrete Beschreibung könnte lauten: „Für unsere U12-Basketballgruppe suchen wir ab August eine Co-Trainerin oder einen Co-Trainer für montags von 17 bis 18.30 Uhr. Du unterstützt die vorhandene Übungsleitung bei Aufwärmen, Kleingruppen und Spielen. Sportliche Vorerfahrung ist hilfreich; eine Trainerlizenz ist für diese Assistenzrolle nicht Voraussetzung. Wir bieten eine vierwöchige Hospitation, feste Begleitung, Unterstützung bei einer passenden Ausbildung und eine Aufwandsentschädigung im rechtlich zulässigen Rahmen.“
Damit wird deutlich, was die Person bewirken kann, wie viel Zeit erforderlich ist und welche Hilfe sie erhält. Sichtbare Ziele, Mitgestaltung, offene Kommunikation und Anerkennung nennt auch die DSEE als wichtige Faktoren, um Engagierte zu gewinnen und zu binden.
Praktische Orientierung bieten das Freiwilligenmanagement der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt und deren Checkliste „Engagierte gewinnen“.
Die richtigen Menschen persönlich ansprechen
Ein öffentlicher Aufruf kann die Suche ergänzen. Er sollte jedoch nicht der einzige Weg bleiben. Im Umfeld einer Trainingsgruppe gibt es häufig Personen, die eine klar begrenzte Aufgabe übernehmen könnten: aktive Mitglieder mit Erfahrung, ältere Jugendliche, Eltern, ehemalige Aktive, frühere Trainerinnen und Trainer oder Menschen, die bereits bei Veranstaltungen helfen.
Potenzielle Engagierte im Verein
- aktive Mitglieder mit sportlicher Erfahrung, die bisher noch keine feste Aufgabe im Verein übernommen haben;
- ältere Jugendliche, die zunächst in einer Assistenzrolle starten können;
- Eltern, die regelmäßig beim Training oder bei Wettkämpfen anwesend sind;
- ehemalige Trainerinnen und Trainer, für die ein begrenzter Wiedereinstieg infrage kommt;
- Personen aus anderen Abteilungen, die sich für eine zusätzliche Aufgabe interessieren;
- Schiedsrichter, Kampfrichterinnen oder Betreuende mit Interesse an einer Trainingsrolle.
Menschen außerhalb des Vereins erreichen
Je nach Sportart können Hochschulen, Fachschulen, Ausbildungsbetriebe, lokale Unternehmen, Jugendzentren und soziale Einrichtungen mögliche Kontaktpunkte sein. Auch ehemalige Vereinsmitglieder können gezielt angesprochen werden. Entscheidend ist, dass der Verein nicht nur eine Funktion anbietet, sondern einen nachvollziehbaren Einstieg: etwa eine Assistenz neben einer erfahrenen Person, ein klar begrenztes Projekt oder die Unterstützung einer einzelnen Trainingsgruppe.
Bei der persönlichen Ansprache sollte der Verein erklären, warum die Person gefragt wird, welche konkrete Aufgabe vorgesehen ist und welche Begleitung sie erhält. Zum Beispiel: „Du hast früher selbst in unserer Jugend gespielt und gehst gut mit Kindern um. Wir suchen keine sofortige alleinige Leitung, sondern Unterstützung montags für 90 Minuten. Eine erfahrene Trainerin ist dabei. Bei Interesse unterstützen wir dich bei der Ausbildung.“
Wichtig ist eine ehrliche Ansprache. Zeitaufwand, Verantwortung und Rahmenbedingungen sollten weder verschwiegen noch dramatisiert werden. Wer zunächst nur assistieren möchte, sollte nicht durch eine unklare Formulierung in eine dauerhafte Gesamtverantwortung geraten.
Eine Schnupperphase mit klaren Grenzen anbieten

Viele Interessierte möchten vor einer festen Zusage sehen, wie die Gruppe arbeitet und ob die Aufgabe zu ihrem Alltag passt. Eine zeitlich klar begrenzte Schnupperphase kann diesen Einstieg erleichtern. Sie sollte aber nicht dazu führen, dass eine Person ohne Vereinbarung dauerhaft vollständige Verantwortung übernimmt.
Bewährter Ablauf für vier bis sechs Wochen
- Vorgespräch: Der Verein erläutert Zielgruppe, Trainingszeit, Aufgaben, Schutzstandards, mögliche Aufwandsentschädigung und Ansprechperson.
- Hospitation: Die interessierte Person beobachtet ein oder zwei Einheiten und bespricht anschließend offene Fragen.
- Assistenz: Sie übernimmt einzelne abgegrenzte Aufgaben, etwa ein Aufwärmspiel, eine Station oder die Betreuung einer Kleingruppe.
- Reflexion: Nach den Einheiten gibt es ein kurzes Gespräch: Was war verständlich, was war unklar und welche Unterstützung wird benötigt?
- Entscheidung: Beide Seiten entscheiden, ob und in welchem Umfang die Zusammenarbeit fortgesetzt wird.
Während dieser Phase sollte eine erfahrene Übungsleitung die Gesamtverantwortung behalten. Besonders bei Angeboten für Kinder und Jugendliche braucht eine neue Person eine klare Einweisung, festgelegte Zuständigkeiten und eine verlässliche erwachsene Ansprechperson. Organisatorische Fragen zum Einsatz sollten vor dem ersten Training geklärt werden.
Mentoring und Aufgabenteilung statt Einzelkämpfertum
Eine neue Trainerin oder ein neuer Trainer muss nicht sofort alle sportlichen, organisatorischen und kommunikativen Aufgaben beherrschen. Ein Tandem aus erfahrener und neuer Übungsleitung ermöglicht einen schrittweisen Einstieg. Die neue Person kann praktische Erfahrung sammeln, während Fragen zur Gruppe, zu Abläufen und zur Planung zeitnah besprochen werden.
Aufgaben sinnvoll verteilen
- Die erfahrene Person plant zunächst die Einheit und erläutert ihre Ziele.
- Die neue Person übernimmt ein festes Element, zum Beispiel Koordination, eine Technikstation oder ein Abschlussspiel.
- Vor der Einheit werden Sicherheit, Sprache und Gruppendynamik besprochen.
- Nach dem Training findet ein kurzes Feedback statt.
- Mit wachsender Erfahrung kann die neue Person weitere Teile der Planung und Durchführung übernehmen.
Mentoring braucht Zeit. Deshalb sollte der Vorstand nicht nur die Trainingszeit berücksichtigen, sondern auch Übergaben, kurze Besprechungen und Fortbildung ermöglichen. Eine feste Ansprechperson verhindert, dass Fragen zwischen mehreren Vorstandsmitgliedern verloren gehen.
Auch eine dauerhafte Aufgabenteilung kann sinnvoll sein. Eine Person kann sich auf die sportliche Planung konzentrieren, während eine andere die Kommunikation mit Eltern oder die Wettkampforganisation übernimmt. Material, Vertretungsplanung und Lizenzverwaltung lassen sich ebenfalls verteilen. So wird aus einer einzelnen, möglicherweise zu großen Rolle ein tragfähiges Teammodell.
Qualifizierung als Gewinnungsargument nutzen
Ein Verein muss nicht ausschließlich nach bereits lizenzierten Trainerinnen und Trainern suchen. Sportlich erfahrene und motivierte Menschen können sich entwickeln. Eine Hospitation mit anschließender Ausbildung bietet insbesondere Jugendlichen, jungen Erwachsenen und Wiedereinsteigenden einen nachvollziehbaren Weg in die Übungsleitung.
Die DOSB-Lizenzausbildung ist mehrstufig aufgebaut. Die C-Lizenz ist nach Angaben des DOSB die Einstiegsstufe, umfasst mindestens 120 Lerneinheiten und setzt grundsätzlich keine besonderen Vorkenntnisse voraus. Das Mindestalter liegt bei 16 Jahren. Sportartübergreifende Übungsleitungs-Ausbildungen organisieren in der Regel die Landessportbünde, sportartspezifische Trainer-Ausbildungen die zuständigen Landesfachverbände.
Ob eine Lizenz für eine konkrete Aufgabe erforderlich ist, hängt unter anderem von Sportart, Angebot, Verein, Verband und möglichen Förderbedingungen ab. Eine allgemeine Lizenzpflicht für jede Trainerrolle besteht nicht. Der Verein sollte deshalb die Anforderungen seines Landesfachverbands und gegebenenfalls weiterer zuständiger Stellen prüfen.
Nach Darstellung des DOSB bestätigt eine Lizenz fachliche und praktische Kompetenzen für die Tätigkeit im Sportverein. Die Ausbildung behandelt unter anderem Trainingsplanung, die Anpassung an Alters- und Leistungsniveaus, Kommunikation sowie organisatorische und ethische Fragen. Qualifizierung kann damit sowohl die Qualität des Angebots als auch die Sicherheit der handelnden Person stärken.
Der Verein kann den Einstieg erleichtern, indem er Lehrgangskosten übernimmt, Fahrtkosten transparent regelt, bei der Anmeldung unterstützt und die Ausbildung mit einem realistischen Einsatzplan verbindet. Falls eine Kostenerstattung oder eine Bindung an den Verein vereinbart werden soll, müssen die Bedingungen vorab klar und rechtlich geprüft sein.
Erste Anlaufstellen sind die FAQ zur DOSB-Lizenzausbildung sowie die DOSB-Informationen zur DOSB-Lizenz.
Vergütung und Aufwandsentschädigung sauber regeln
Eine Aufwandsentschädigung ersetzt keine gute Organisation. Sie kann aber ein wichtiger Bestandteil verlässlicher Rahmenbedingungen sein. Vor dem Einsatz sollte schriftlich festgehalten werden, welche Tätigkeit übernommen wird, wie häufig sie stattfindet, welche Zahlung vorgesehen ist und wer Abrechnung sowie Nachweise organisiert.
Für nebenberufliche Tätigkeiten als Übungsleiter, Ausbilder, Erzieher, Betreuer oder vergleichbare Tätigkeiten können unter den gesetzlichen Voraussetzungen seit dem 1. Januar 2026 bis zu 3.300 Euro jährlich steuerfrei sein. Die Tätigkeit muss unter anderem der Förderung steuerbegünstigter Zwecke dienen und im Dienst oder Auftrag einer begünstigten Körperschaft oder einer juristischen Person des öffentlichen Rechts ausgeübt werden. Diese Steuerfreiheit gilt nicht automatisch für jede Zahlung an Trainerinnen oder Trainer.
Je nach konkreter Gestaltung können weitere steuerliche, sozialversicherungsrechtliche oder arbeitsrechtliche Fragen entstehen. Bei Einzelfällen sollte der Verein sein Lohnbüro oder eine Steuerberatung einbeziehen.
Die maßgebliche Regelung steht in § 3 Einkommensteuergesetz im offiziellen Gesetzesportal.
Sicher einstellen und einarbeiten

Schutz vor Gewalt, Grenzachtung und klare Beschwerdewege sollten Teil des Trainer-Onboardings sein. Besonders bei Angeboten für Kinder und Jugendliche braucht der Verein klare Abläufe, damit neue Übungsleitende wissen, welche Regeln gelten und an wen sie sich bei Fragen oder Hinweisen wenden können.
Standards vor dem ersten Einsatz
- Der Verein stellt sein Schutzkonzept oder seine Verhaltensregeln vor.
- Die neue Person kennt die Ansprechpersonen für Beschwerden und Verdachtsfälle.
- Regeln zu Nähe und Distanz, Kommunikation, Einzelkontakten, Fahrten, Umkleiden und digitaler Kommunikation werden besprochen.
- Es ist geklärt, wie Beobachtungen dokumentiert und weitergeleitet werden.
- Die Trainerin oder der Trainer weiß, dass Hinweise nicht allein bewertet werden müssen.
Bei Tätigkeiten mit Kindern und Jugendlichen kann eine Einsichtnahme in ein erweitertes Führungszeugnis erforderlich sein. Nach § 72a SGB VIII sollen öffentliche Träger der Jugendhilfe mit Vereinen Vereinbarungen zu Tätigkeiten schließen, bei denen Art, Intensität und Dauer des Kontakts eine Einsichtnahme begründen. Es wäre daher nicht korrekt, pauschal für jede Trainerrolle in jedem Verein ein erweitertes Führungszeugnis zu verlangen. Maßgeblich sind insbesondere örtliche Vereinbarungen mit dem zuständigen Jugendamt sowie mögliche landes- oder verbandsabhängige Vorgaben.
Die Deutsche Sportjugend stellt Handlungsleitfäden, Mustervorlagen und Datenschutzhinweise bereit. Danach soll ein Führungszeugnis nur eingesehen und nicht als Kopie abgeheftet werden. Die Einsichtnahme kann datenschutzkonform dokumentiert werden. Der Verein sollte hierfür ein einheitliches Verfahren festlegen.
Zur Einordnung helfen § 72a SGB VIII und der Downloadbereich der Deutschen Sportjugend zum Kinder- und Jugendschutz.
Eine Trainerstelle attraktiv ausschreiben
Eine gute Ausschreibung beantwortet die wichtigsten Fragen schnell und konkret. Sie kann auf der Vereinswebsite, im Newsletter, in sozialen Medien, in der Sportstätte und über persönliche Netzwerke verbreitet werden. Entscheidend ist eine verständliche Sprache ohne Übertreibungen und ohne unklare Dauerverantwortung.
Checkliste für die Ausschreibung
- Rolle: Co-Trainer, Übungsleiterin, Mannschaftstrainer oder Assistenz?
- Gruppe: Alter, Größe, Leistungsniveau und Ziel des Angebots?
- Zeit: konkreter Wochentag, Uhrzeit und erwarteter Umfang?
- Aufgaben: Was übernimmt die Person, was nicht?
- Unterstützung: Wer arbeitet ein, wer vertritt und wer beantwortet Fragen?
- Qualifikation: Was ist notwendig, was kann erworben werden?
- Rahmen: Aufwandsentschädigung, Kostenübernahme und weitere vorab geklärte Bedingungen?
- Schutz: Welche Schutzstandards und Nachweise gelten?
- Kontakt: Name, Funktion, direkte E-Mail-Adresse und Rückmeldefrist?
Statt „Wir brauchen dringend jemanden, der unsere Jugend rettet“ ist eine konkrete Einladung hilfreicher: „Gestalte mit uns die nächste Saison unserer D-Jugend. Du leitest eine Einheit pro Woche gemeinsam mit einem erfahrenen Trainer, entwickelst kleine Spielformen und erhältst Unterstützung bei der Ausbildung.“ Die Formulierung zeigt Aufgabe, Team und Entwicklungsmöglichkeit.
Die ersten 90 Tage systematisch planen
Nach der Zusage entscheidet die Einarbeitung mit darüber, ob die Person langfristig bleiben möchte. Ein einfacher 90-Tage-Plan schafft Orientierung und bietet feste Zeitpunkte, um Erwartungen anzupassen.
- Woche 1: Aufgabenprofil, Schutzregeln, Material, Kontakte und Vertretung besprechen.
- Wochen 2 bis 4: Hospitation und Assistenz mit kurzen Feedbackgesprächen.
- Monat 2: Die neue Person plant einzelne Teile der Einheit und erhält Rückmeldung.
- Monat 3: Gemeinsame Auswertung: Passt der Umfang? Welche Qualifizierung fehlt? Welche Aufgaben sollten angepasst werden?
Nach drei Monaten sollte der Vorstand nicht nur prüfen, ob das Training stattgefunden hat. Ebenso wichtig sind Arbeitsbelastung, Zusammenarbeit, Gruppensituation, Material, Kommunikation und die Frage, ob die vereinbarte Unterstützung tatsächlich ankommt.
Typische Fehler bei der Trainergewinnung
„Hauptsache, jemand macht es“
Eine unklare Besetzung kann zu Überforderung und Konflikten führen. Besser ist eine zeitlich und inhaltlich klar umrissene Aufgabe mit einem festen Zeitpunkt zur gemeinsamen Überprüfung.
Nur über Reichweite statt über Beziehungen suchen
Öffentliche Beiträge können Aufmerksamkeit schaffen. Sie sollten durch persönliche, wertschätzende Ansprache geeigneter Personen ergänzt werden.
Zu früh allein lassen
Auch sportlich erfahrene Menschen kennen Vereinsabläufe, Gruppendynamik und Schutzstandards nicht automatisch. Hospitation, Mentoring und feste Ansprechpersonen gehören deshalb zum Einstieg.
Qualifikation nur als Hürde formulieren
Wenn eine Lizenz für die konkrete Rolle nicht zwingend erforderlich ist, kann der Verein sie als Entwicklungsmöglichkeit anbieten. Eine motivierte Person kann zunächst assistieren und sich anschließend qualifizieren.
Rechtliche Fragen nebenbei behandeln
Vergütung, mögliche Nachweise, Datenschutz und die organisatorischen Rahmenbedingungen sollten vor dem Einsatz geklärt werden. Das schafft Verlässlichkeit für beide Seiten.
FAQ: Trainerinnen und Trainer für den Verein gewinnen
Muss eine Trainerin oder ein Trainer eine DOSB-Lizenz haben?
Nein. Eine allgemeine Lizenzpflicht für jede Tätigkeit gibt es nicht. Anforderungen können sich aus Sportart, Landesfachverband, Vereinsangebot, Förderbedingungen oder internen Standards ergeben. Der Verein sollte die Anforderungen für die konkrete Rolle prüfen.
Kann ein Jugendlicher bereits als Übungsleiter helfen?
Die DOSB-C-Lizenzausbildung setzt grundsätzlich ein Mindestalter von 16 Jahren voraus. Unabhängig davon müssen Aufgaben, Aufsicht, Verantwortungsumfang und Schutzstandards altersgerecht geregelt werden. Minderjährige sollten nicht ohne passende Einweisung und verlässliche erwachsene Ansprechperson eingesetzt werden.
Wann ist ein erweitertes Führungszeugnis erforderlich?
Das hängt insbesondere von Art, Intensität und Dauer des Kontakts zu Kindern und Jugendlichen sowie von örtlichen Vereinbarungen und ergänzenden Vorgaben ab. Der Verein sollte das Verfahren mit dem zuständigen Jugendamt sowie gegebenenfalls mit Landes- oder Fachverband abstimmen.
Darf der Verein das Führungszeugnis kopieren?
Die Deutsche Sportjugend weist darauf hin, dass das Führungszeugnis nur eingesehen und nicht abgeheftet werden darf. Der Verein sollte die Einsichtnahme nach den geltenden Datenschutzvorgaben dokumentieren und nur notwendige Informationen verarbeiten.
Wie hoch darf die steuerfreie Übungsleiterpauschale sein?
Seit dem 1. Januar 2026 können unter den gesetzlichen Voraussetzungen bis zu 3.300 Euro pro Jahr steuerfrei sein. Das gilt nicht automatisch für jede Zahlung und jede Trainerrolle. Die konkrete Gestaltung sollte der Verein bei Bedarf mit Lohnbüro oder Steuerberatung prüfen.
Was tun, wenn niemand eine komplette Trainingsgruppe übernehmen möchte?
Die Aufgabe kann geteilt werden: Zwei Personen wechseln sich ab, eine erfahrene Kraft übernimmt zunächst die Planung und eine neue Person führt einzelne Teile durch. Auch eine Assistenz-, Projekt- oder Vertretungsrolle kann ein passender Einstieg sein.
Quellen & weiterführende Informationen
- Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt: Freiwilligenmanagement
- Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt: Checkliste „Engagierte gewinnen“
- DOSB: FAQ zur DOSB-Lizenzausbildung
- DOSB: Die DOSB-Lizenz
- Gesetze im Internet: § 3 Einkommensteuergesetz
- Deutsche Sportjugend: Arbeitshilfen und Materialien zum Kinder- und Jugendschutz
- Gesetze im Internet: § 72a SGB VIII
